Schlossruine Hartenstein e.V.

Unter Straße lauernde Gefahr zufällig entdeckt

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Unter Straße lauernde Gefahr zufällig entdecktIn Schiefer gehauener und teilweise ausgemauerter Gang drohte einzubrechen - Jetzt ist Bergsicherung auf dem
Schlossberg am Werk
Hartenstein. Auf die Gefahr, die unter der August-Bebel-Straße (Schlossberg) in Hartenstein lauert, kam die
Bergsicherung Schneeberg eher zufällig: Als im März zum Abriss des maroden Dachs vom Torhaus an der
Schlossruine ein Kran aufgestellt werden sollte, machten Anwohner darauf aufmerksam, dass dieser durchaus
einbrechen könnte, weil sich im Terrain unterirdische Gänge befinden. Die Bergsicherung untersuchte daraufhin
das Gelände und gab grünes Licht für den Kranstandort. Allerdings stießen die Männer auf Gefahren an einer
ganz anderen Stelle.
Als sie sich mit Hilfe einer Strickleiter in ein 15 Meter tiefes Lichtloch herabgelassen hatten, entdeckten sie
einen Gang, der unter der Staatsstraße hindurch in Richtung Thierfelder Bach führt. Bei dessen Begehung
stießen sie auf Brüche. "Es ist ein Glück, dass wir diese rechtzeitig entdeckt haben", sagte Tobias Steinert,
technischer Leiter Bergbau der Bergsicherung Sachsen GmbH Schneeberg. "Hier war Gefahr in Verzug. Früher
oder später wäre die Staatsstraße an dieser Stelle eingebrochen. Das hätte schlimme Folgen haben können."
An der bereits eingebrochenen Stelle direkt neben der Straße haben Männer der Bergsicherung inzwischen einen etwa 15 Meter tiefen Gang gegraben und mit einer 15 bis 50 Zentimeter dicken Spritzbetonschicht gesichert.
Über Leitern durften jetzt erstmals Vertreter der Denkmalbehörde, der Stadtverwaltung, des Fördervereins Schlossruine und der "Freien Presse" in die Tiefe steigen und sich den unterirdischen Höhler, wie professionell angelegte, künstliche Hohlräume unter der Erde genannt werden, ansehen.
Tobias Steinert informierte, dass man bereits etwa 60 Kubikmeter Bruchmassen herausgeschafft hat. Er und Michael Kühn vom Oberbergamt Freiberg, das die Sicherung in Auftrag gegeben hat, führten die Interessierten durch den finsteren Gang unter der Straße hindurch zu dem Felsenkeller unter dem Lichtloch, der nach dem Bau der Brauerei neben dem Schloss seit 1893 nicht mehr gebraucht wird. Alle mussten höllisch aufpassen, dass sie
im Dunkeln auf dem glitschigen, mit Unrat übersäten Boden nicht ausrutschten.
 
Tobias Steiner machte zwischen den gemauerten Gewölben auf die in den Schiefer gehauenen Gewölbe unter der Straße aufmerksam, die bereits Risse zeigen. Diese werden jetzt mit Spritzbeton gesichert. Im Felsenkeller erinnert der Teil eines Flaschenzuges daran, dass hier einmal Bierfässer transportiert und eingelagert wurden.
Bei einer konstanten Temperatur von 8Grad Celsius über das ganze Jahr gab es in den in Stein gehauenen Nischen links und rechts des Ganges optimale Lagermöglichkeiten für das Bier.
Als das Gewölbe nicht mehr für den Gerstensaft benötigt wurde, seilten sich dann Jugendliche nur noch aus Abenteuerlust im Lichtloch ab. Viele ältere Hartensteiner erinnern sich sicher noch daran, wie sie mit Fackeln durch den Höhler gezogen sind. Heute erkennt man im Schein der Taschenlampe, dass im Gewölbekeller inzwischen der Müll mehrerer Generationen liegt.
Gegenwärtig arbeiten vier Leute der Bergsicherung in zwei Schichten an der Sicherung des Ganges. Geplant sind acht Monate. "Erst nach der endgültigen Erkundung können wir sagen, ob das Ganze zu erhalten ist oder mit Beton verfüllt werden muss. Vom Denkmalschutz wird jedenfalls der Erhalt angestrebt", informierte Tobias Steinert.
 
Von Viola Martin
Erschienen am 02.06.2009

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