Schlossruine Hartenstein e.V.

Alter Tresor hat jetzt neue Schlüssel

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Alter Tresor hat jetzt neue Schlüssel  Foto: Marcus RichterLößnitzer Schlosserei macht Stück aus der Zeit um 1800 wieder gangbar - Mehr als 250 Jahre alte Tür
in der Schlossruine restauriert
Hartenstein. Alles was alt, kaputt und aus Metall ist, zieht Frank Schöberl magisch an. So war es auch, als der Lößnitzer Schlossermeister vor einiger Zeit an einer Führung durch die Schlossruine Hartentein teilnahm. "Uns wurde der Tresor im früheren Rentamt gezeigt, der nicht funktionierte, weil es keine Schlüssel mehr dazu gab", erzählt der 54-Jährige. Sein Ehrgeiz war geweckt. "Den kann ich wieder in Ordnung bringen", machte er dem Förderverein Schlossruine Hartenstein ein Angebot.
Dieses nahm der Verein gern an, zumal der Schlossermeister kostenlos arbeiten wollte.
Frank Schöberl berichtet, dass es ihm Tresore schon lange angetan haben. "In unserer Schlosserei Seinige, die ich vom Schwiegervater übernommen habe und die dieses Jahr 270 Jahre alt wird, haben wir einen von 1854. Der war angeschafft worden, weil damals in unserer Firma auch mit Waffen gehandelt wurde. Der Tresor im ehemaligen Rentamt in der Schlossruine stammt meiner Ansicht nach aus der Zeit um 1800."
Für die Arbeiten an der Tresortür wurde diese in seine Werkstatt nach Lößnitz gebracht. Dort baute Schöberl die alten Schlösser aus. Die waren noch in Ordnung, mussten nur ein wenig gefettet werden.
Schwerer war es, die zwei Schlüssel, mit denen die Mechanismen in der Tür in Gang gesetzt werden, nachzubilden. Die sind jetzt fertig. Jeder ist 20 Zentimeter lang. Der für das obere Schloss schließt in die eine, der für das untere in die andere Richtung. Die Bärte sind so gefeilt, dass sie, wenn sie
unterschiedlich tief in die dicke Tür gesteckt werden, für eine achtfache Verriegelung des Tresors sorgen, in dem früher im Rentamt sicher wertvolle Sachen lagerten.
Wo die Schlüssel jetzt aufbewahrt sind, wird nicht verraten. "Wenn wir bei Führungen den Mechanismus zeigen wollen, werden sie immer extra mit her gebracht", verspricht Hertha Sellmair, die Vorsitzende des Fördervereins Schlossruine.
Bei den Arbeiten am Tresor hat Metallbauer Christian Schöberl seinem Vater geholfen. Bei der Metalltür aus dem Rentamt war es umgekehrt. Die stammt wahrscheinlich aus der Zeit um 1750 und soll bis nach der Wende Verwendung als Haustür an der Wohnung der früheren Haushälterin des Kaplans, der Frau Bleyl, gefunden haben. Der junge Metallbauer erzählt, dass die Tür aus vielen kleinen Platten zusammengenietet wurde, weil damals das Metall noch mit dem Hammer zu Platten bereit geschlagen werden musste. Erste Walzwerke habe es erst nach 1830 gegeben. Die einzelnen Stücke sind dann zu einer Tür zusammengenietet worden. Da das historische Stück in der Schlossruine von Vandalen ganz schön zerstört worden war, hat die Schlosserei einige Platten und Nieten nachgebildet und ersetzt, andere geflickt. Auch ein Schloss, etwa so, wie es damals wahrscheinlich dran gewesen ist, haben die Schöberls gebaut, genau wie neue Angeln zum Befestigen an der Wand.
Jetzt steht dem Einbau der historischen Tür nichts mehr im Weg. Sie wird künftig den Tresorraum verschließen.
 
Von Viola Martin
Erschienen am 26.03.2009

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