Schlossruine Hartenstein e.V.

Poesie Gedichte zum Schloss

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Schloss Hartenstein
 

Vom dunklen Linden-Buchen-Haag umringt
Wo noch am Tag der Uhu krächzend singt,
Und schon ein Schritt das wilde Reh verschreckte,
Das seinen Hals verhoffend nach uns reckte.

Da, auf dem Bergsporn, luftig, frei und rein,
Ein stattlich Schloss - gebaut auf harten Stein,
Mit hohen Mauern, einstmals unbezwungen,
Von Liedern aber lieblich längst besungen.

Den Schattenritter und die weiße Frau
Als Gäste - kennt der Schlossherr noch genau,
Auch Prinzen, Grafen, fremde Adelsleute
Die zogen hier stets ein und aus - Wie heute:

Ein Fest dem Schloss zu Ehren ist der Grund
Dass Volk dem Fürstenpaar sich froh tut kund.
Vergessen sind des Nachkriegs schlimme Tage
Und auch der schlechten Zeiten Hungerplage.

Ja, man genießt den Glanz bis in die Nacht,
Wie es der Brauch von damals hergebracht.
So herrlich ist dies alte Schlossgemäuer,
Da wird auch keine Gabe Euch zu teuer! 

Musik im Ahnensaal
 

Im alten Saal die Weisen
Konnt´ ich nur halb verstehn.
Meine Augen gingen auf Reisen.
Es gab so viel zu sehn.

Und immer wieder kamen
Sie her von Helm und Schild.
Ein schwarzer, breiter Rahmen
Umgrenzt des Ahnherrn Bild.

Das Zöpflein hängt im Rücken,
Vom weißem Haar Gelock.
Zwei Schelmenäuglein blicken.
Hell leuchtet der rote Rock.

Mir ist, als hört´ ich sagen
Von alter, guter Zeit.
Das Bäuchlein kündet Behagen,
Die Hand frisch-festen Streit.

Und langsam geht sein Schmunzeln
Zur jungen Spielerin.
Die Stirne muß ich runzeln:
"Steht danach Dir der Sinn?

Was schert Dich irdische Hülle
In Deiner tiefen Ruh?"

Da wards im Saal stille.
Ein Flügel klappte zu.

Fritz Richter (1899 - 1953)
Stadtkassierer in Hartenstein
von Herbst 1923 - Herbst 1937

Abend auf dem Schloss
 

Es war einmal ---
Ich ging dem Märchen nach
Im großen Saal.
Nach einem harten Tag.
Es war einmal---
Und eine Fiedel klang,
Radleier summt´ und eine Laute sang.
Von alten, alten Tagen.
An meiner Schulter lehnt mein Töchterlein.
Wir lauschen beide wie zwei Kinderlein.
Und wurden sanft getragen
Durch einen wunderschönen Traum.
Ein Zauberschloß derweite Raum,
Drin im Lichte standen
Märchen und Musikanten.

Fritz Richter (1899 - 1953)
Stadtkassierer in Hartenstein von Herbst 1923 - Herbst 1937

Mein Hartenstein
 

wie bist du schön
mit deinen Tälern, Wiesen, Höh´n
Vom Ochsenkopf bis hin zum Haag,
mein Hartenstein, wie ich dich mag.
Mit deinem schönen Buchenwald,
hast du erfreut schon jund und alt.
Burg Stein grüßt aus dem Muldental
die bunten Blumen ohne Zahl.
Paul-Flemming-Schule, die Kirchen und
Schlossruine Hartenstein,
laden zum Verweilen ein.
Im Frühling mit dem zarten Grün der Wälder.
Im Sommer herlich bunt die Wiesen und die Felder.
Der Herbst kommt als Maler mit Farben fein
und färbt geschickt Wälder und Fluren ein.
Endlich der Winter mit seiner Pracht
sage mir, wer hat alles so schön gemacht?

Unser schönes Bad liegt eingebettet in Wald und Wiesen.
Hier kann man Badefreuden genießen.
Eine Erfrischung ist gut, man fühlt sich viel leichter,
nun laufen wir
auf dem "Drei Brücken"-Weg zur "Prinzenhöhle" weiter.
Doch nicht zu eilig, bleibt oft steh´n,
Hartenstein ist von allen Seiten schön.
Allmählich vstummt der Lärm und es wird still,
nun höre ich was ich hören will.
Der Wald hüllt mich ein, die Vögel
singen im vielstimmigen Chor,
mir ihre herrlichen Lieder vor.
Jetzt liebe Seele ruhe dich aus,
all meine Sorgen bleiben zu Haus.
Genieße die Natur, habe ich daran gedacht?
Dies alles hat unser Herrgott gemacht.
Ein Reh steht dort am Waldessaum,
ganz still bleibe ich steh´n
und atme kaum.
Am Abend denke ich, war das heute schön.
Morgen, so Gott will, werde ich noch mehr anseh´n.

Christine Beutner geb. Junghans

Das Schloss und die Eisenbahn
 

Die Eisenbahn fährt ins Muldental bei Hartenstein hinein
und dampft in einem kühnen Bogen um die Ritterburg in Stein.
Schloss Hartenstein ruft ganz empört, das sich das nicht gehört.
Das kanns doch nicht gewesen sein, ich soll ohne Bahnanschluss sein.

Das Schlossfräulein beruhigt die Wütende und sagt aus Trotz,
lass nur fahren diesen, an die Schiene gefesselten dampfenden Eisenklotz.
Schau mal an, bald haben wir einen Anschluss an die Autobahn.
Dann rollen auf den Hof des Schlosses die edlen, glänzenden Benzinkarossen.

Das Schloss schaut stolz und zufrieden.
Es lässt jetzt neidlos die Eisenbahn ihren Weg, durchs Muldental ziehen.

E.K.
Anno 2009

Der Schattenreiter und die Braut
auf
Schloss Hartenstein
 

Die Abenddämmerung sinkt über Hartenstein, der Schattenreiter galoppiert auf seinem unsichtbaren Ross, in den Schlosshof hinein
Er springt aus dem Sattel und in ungestümen Lauf, stürmt er die Treppe zum Schlossfräulein hinauf.
Hören kann man nur seinen Tritt, zu sehen ist dieser Geisterreiter nicht.
Der Unsichtbare tritt ohne zu klopfen ins Gemach ein.
Des Fräuleins Herz schlägt höher und sie nimmt seine Hand.
Es ist das einzige, was man sieht und spürt von diesem geheimnisvollen Mann.
Eiskalt ist die Hand, aber auch glatt und weich.
Nur einer Braut die heiß liebt, ist diese Kälte einerlei.
Sie reden und liebkosen sich zart, wie es Verliebte tun. Gar gespenstisch ist ihr tun.
Sie essen und trinken nach Herzenslust und feiern ausgelassen ganz ohne Scham.
Doch wo beim Schattenreiter Speise und Trank hinkam, niemand im Saal vernahm.
Kurz vor ein Uhr nachts ist alles vorbei, der Schattenreiter flieht vom Schloss und nur der Tritt verrät, wohin er eilt mit seinem Ross.
Viele Jahre geht das nun schon so, doch das Schlossfräulein ist nicht froh.
Sie möchte vom Liebsten nicht nur diese sichtbare Hand
Sie möchte ihren Geliebten, ihren Schattenreiter endlich ganz.
Als der Schattenreiter einst wieder erscheint, tut sie ihm ihren innigsten Wunsch kund.
Sie sehnt sich nach einem Kuss von seinem Mund.
Er zieht erschrocken seine eiskalte Hand zurück.
Seine harten Worte zerstören die Hoffnung der Liebenden auf ein gemeinsames Glück.
Lebe wohl auf ewig sagt kühl der Mann aus dem Schattenreich.
Nur weil ich an deine rein geistige Liebe glaubte, verließ ich mein himmlisches Reich.
Jetzt wo du an irdische Liebe denkst, hast du meine Liebe verschenkt.
Ich geh für immer, du siehst mich nie wieder hier.
Er eilt davon ohne Gruß, das Fräulein bleibt zurück ohne den ersehnten befreienden Kuss.

Lieb Schlossfräulein du sollst nicht traurig sein.
Du sollst es wissen, einst wird ein irdischer Prinz, der dich von Herzen liebt kommen und innig küssen.
Wie hat es Paul Flemming schon vom Küssen gewusst.
Nirgends hin als auf den Mund, da sinkt es in des Herzens Grund, da glühet die Liebe dann heiß, wie jeder weiß.
Dann wirst du Schlossfräulein endlich glücklich sein, auf Schloss Hartenstein.

E.K.
Anno 2009